TRAUMA-ÜBERLEBENDE FORDERN ANGEMESSENE UNTERSTÜTZUNG UND THERAPIE
Skandale, Täter, Diskussionen… und wo bleiben die Betroffenen?
Initiative „Phoenix“ lässt Betroffene sichtbar werden
Hohe Wellen schlagen sie aktuell in der Politik und vor allem in den Medien: die „Missbrauchs“-Skandale in kirchlichen und sozialen Institutionen. Verblüffend, denn seit Jahrzehnten ist bekannt, dass Kinder Gewalt in erster Linie in ihrer eigenen Familie ausgesetzt sind, über Jahre hinweg, geduldet und totgeschwiegen von ihrem Umfeld. Immerhin: das Thema gelangt endlich ins Bewusstsein einer Gesellschaft, die bisher eher weggesehen hat. Betroffene sehen hier endlich eine Möglichkeit, darauf aufmerksam zu machen, wie fehlgeleitet die Hilfsangebote für die „Opfer“ sind. Um die schwerwiegenden und lebenslangen Auswirkungen von Traumatisierungen im Kindes- und Jugendalter auf die körperliche, seelische und kognitive Entwicklung aufzufangen und Betroffenen ein „normales“, menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, gibt es in Deutschland KEINE adäquaten und ausreichenden Hilfs- und Therapieangebote.
Die Initiative „Phoenix“ ruft freie JournalistInnen, öffentlich-rechtliche Medien und politische EntscheidungsträgerInnen auf, eine dringend notwendige Reform der Therapie-Richtlinien zu unterstützen!
Menschen, die aufgrund von Gewalterfahrungen – nach emotionaler, körperlicher oder/und sexueller Misshandlung – traumatherapeutisch behandelt werden, sind durch Richtlinien der Krankenkassen permanenter Bewertung ihres Leids unterworfen. Sie müssen sich vor Behörden und fachlich nicht kompetenten VerwaltungsmitarbeiterInnen immer wieder erklären und rechtfertigen, intimste, beschämende Erfahrungen vor ihnen fremden Menschen beschreiben und möglichst detailgenau „beweisen“.
Opferhilfe nach Kassenlage
Das Hilfe-Ersuchen von Betroffenen wird nach den Richtlinien unseres Gesundheitssystems meist zunächst mit Ablehnung bzw. wenn überhaupt, mit zeitlich extrem begrenzten psychotherapeutischen Standardverfahren beantwortet. Kostenträger berufen sich dabei darauf, dass die Therapie innerhalb eines kurzen, festgelegten Zeitraums abgeschlossen und Heilung mit vollständiger „Funktionsfähigkeit“ erreicht sein muss. Dabei wird weder die individuelle Belastung noch die Ausprägung der Erkrankung und deren dauerhafter Einfluss auf das tägliche Leben zu Grunde gelegt, sondern einfach pauschal die je nach Verfahren festgelegte Stundenanzahl genehmigt oder abgelehnt.
Das heißt, Krankenkassenrichtlinien und Sozialgesetzbücher schreiben vor, dass die Folgen meist jahrelanger Gewalterfahrungen in einem Zeitraum von 60-80 mal 50 Minuten Psychotherapie überwunden sein sollen.
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, aber zu teuer?!
Die Praxis hunderter namhafter erfahrener Therapeutinnen und Therapeuten, die niedergelassen oder in stationären Einrichtungen mit traumatisierten Menschen arbeiten, zeigt, wie unzulänglich diese radikale Einschränkung therapeutischer Hilfen ist. Mühsam bauen sie in vielen Stunden ein Vertrauensverhältnis auf, wodurch zunächst eine Stabilisierung des Gesundheitszustandes überhaupt erst begonnen werden kann. Nach den Vorstellungen der Krankenkassen müsste allerdings Vertrauensaufbau, Stabilisierung, Traumabearbeitung und Integration in die Gesellschaft nach maximal 80 Therapiestunden abgeschlossen sein. Nach dem „Aufbrauchen“ dieses Kontingents wird die Therapie als nicht mehr „effizient“ angesehen. Die-/Derjenige quasi „abgeschrieben“ und für die Gesellschaft als verloren angesehen. Zwei Jahre mindestens müssen Betroffene dann warten bis ein neuer Antrag gestellt werden kann und in denen die Therapie aus eigener Tasche finanziert werden müsste. Das führt nachgewiesenermaßen in vielen Fällen dazu, dass die Betroffenen allein gelassen sind mit der gerade begonnenen Aufarbeitung einer oft jahrelangen, einschneidenden persönlichkeitszerstörenden Traumatisierung. In der Folge kommt es häufig zu Eskalationen mit selbstschädigendem Verhalten bis hin zu Suizidversuchen, hohem Verbrauch von psychopharmazeutischen Medikamenten und kostenintensiven stationären Behandlungen.
„Phoenix aus der Asche“
„Phoenix" ist eine Initiative, die von Menschen ins Leben gerufen wurde, die an zum Teil komplexen Traumafolgestörungen leiden, und die sich zum Ziel gesetzt haben, die Öffentlichkeit auf die unzumutbaren Rahmenbedingungen für Traumatherapie aufmerksam zu machen.
Wir wollen einen Richtungswechsel in der Gesundheitspolitik – hin zu angemessenen therapeutischen Hilfsangeboten für Menschen nach Gewalt- bzw. „Missbrauchs“-Erfahrungen. Mehr als 100 Menschen haben sich uns bereits angeschlossen, sowohl Betroffene als auch „Verbündete“ aus privaten und fachlich anerkannten Kreisen, die fordern:
● Die Änderung von Therapie-Richtlinien, so dass traumatisierte Menschen die Hilfe bekommen können, die sie benötigen, und zwar UNABHÄNGIG von Zeitbegrenzungen, pauschal festgesetzten Therapie"arten" und retraumatisierenden Gutachter-Verfahren.
● Schnelle, unbürokratische Hilfe in Notlagen, wie z.B. übergangsweise Therapiekostenzuschüsse aus öffentlichen Kassen.
● Für JEDE und JEDEN die Möglichkeit auf zeitnahe stationäre Aufnahme in GEEIGNETE und genügend finanziell gestützte Therapie-Einrichtungen.
● VORRANG DER OPFERHILFE vor dem Schutz und der Betreuung von Täterinnen und Tätern.
"Ich kann diese Initiative absolut unterstützen und die Erfahrungen von Frau Borchert bestätigen. Jede Woche wenden sich rund 100 Hilfesuchende an mich über meine Website und schildern ihre demütigenden Erfahrungen. Lassen Sie uns gemeinsam (...) darauf hinweisen, dass die bisherigen „Angebote“ absolut unzureichend, ja nicht selten eine zusätzliche Belastung bis hin zu Retraumatisierungen für die Menschen darstellen. Möge diese Intiative den Erfolg haben, den sie verdient."
Michaela Huber, Traumatherapeutin (ISSD e.V./ESTD, EMDRIA)
Auf unserer Website finden Sie den Offenen Brief, durch den die Initiative ins Leben gerufen wurde, die Unterschriftenliste und einige der bisherigen Reaktionen aus der "Fachwelt". Für weitere Informationen können Sie gern mit uns in Kontakt treten - am besten über die Internetpräsenz:
Peggy Borchert (Betroffene)
und Jutta Ott-Gmelch, Hebamme, Buch-Autorin, Fachjournalistin Frauengesundheit
für die Initiative "Phoenix"
Kontakt:
Peggy Borchert c/o Jutta Ott-Gmelch, Deuil-la-Barre-Straße 65, 60437 Frankfurt am Main
Tel.: 069-50830955
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
